Allgemein · Arbeit

Ich muss das mal loswerden

Hallo ihr Lieben,

hui, schon der dritte Eintrag diese Woche.

Nachdem die letzten Einträge eher einen informativen und auch positiven Charakter hatten, möchte ich mich jetzt einfach mal „auskotzen“. Sorry für den Begriff, aber der trifft es am besten.

Ich möchte einfach mal los werden, wie froh ich bin, wenn ich in zwei Wochen diesen Arbeitgeber los habe.

In einem meiner letzten Einträge hatte ich es ja schon angedeutet, jetzt kann ich es mal ein bisschen näher erläutern.

Wir haben Corona – ja das ist für uns alle (leider) nichts Neues. Aber statt sich an die Regeln zu halten, lädt sich mein Chef täglich 3-4 Leute zum Lunch (Mittagessen sagt man hier nicht) ein. Natürlich alles verschiedene Haushalte, keine Maske beim Betreten des Büros, kein Abstand halten usw.. Das Essen lässt er sich vom Gatsronomen nebenan bis ins Büro liefern. Und wer darf den Mist auf- und wieder abräumen? Genau: Ich.

Klar, als Assistenz gehört Gästebewirtung dazu – aber in diesem Ausmaß?

Hinzu kommt, dass die Leute NIE ihre Teller leeressen und ich immer mit Essenresten in Berührung komme. Dazu noch deren Besteck und Gläser.

Am besten sind dann noch die Gäste, die keinen bis wenig Platz machen, wenn ich die Teller abräume und genau, wenn mein Kopf auf deren Höhe ist, anfangen zu reden, sodass ich quasi genau in deren Aerosol-Wolke bin. Super!

Ich habe hierzu meinen Chef schon mehrmals angesprochen und er hat es mit einem arroganten Achselzucken abgetan. Als dann die Vorschriften noch mehr verschärft wurden, inklusive Empfehlung zum Home-Office, habe ich ihn noch einmal angesprochen. Für Home-Office sieht er keine Veranlassung, da wir ja alle im Einzelbüro sitzen. Und zum Thema Lunchtermine auf unseren Flächen meinte er: Wie soll ich denn sonst Geschäfte abschließen? Mit nem guten Essen und Wein (bei 4 Leuten übrigens 4-5 Flaschen), bekommt man jeden klein. Angesprochen auf den nicht eingehaltenen Abstand bei den Lunchterminen oder auch der Gefahr, der ich mich aussetze mich anzustecken, meinte er nur: Ach stellen Sie sich mal nicht so an.

Was soll man da noch sagen? Ich bin da nur sprachlos.

Nun bin ich ja nicht naiv und lasse das einfach mit mir machen, sondern habe mit einem befreundeten Anwalt über meine Situation gesprochen, ob ich mich einfach weigern kann, bei diesen großen Gelagen aufzuräumen etc..

Er hat dies verneint. Denn in meiner Arbeitsplatzbeschreibung steht Bewirtung von Gästen. Da hier aber nicht spezifiziert ist, wie sie genau aussieht, fällt das oben geschilderte unter Gästebewirtung und ich kann mich nicht weigern.

Man bleibt fassungslos.

Um die letzten zwei Wochen hier unbeschadet zu überstehen, bleibt mir am Ende nur die Möglichkeit, mich krank zu melden. Aber wer macht das? Erst bin ich 6 Monate überhaupt nicht krank und nach der Kündigung dann zwei Wochen am Stück? Das macht doch niemand, der halbwegs gut erzogen ist und Anstand hat. Oder?

Es ist verworren. Und ich habe immer weniger Motivation dort hin zu gehen. Und irgendwie bin ich auch verzweifelt. Man muss sich nur mal vorstellen, ich fange mir bei meinem jetzigen Arbeitgeber Corona ein und kann am Ende bei meinem neuen Arbeitgeber nicht anfangen. Aber wem bin ich denn mehr verpflichtet? Dem aktuellen oder dem neuen Arbeitgeber? Oder sollte ich am Ende nur an mich denken und mich echt vom Doc ausm Verkehr ziehen lassen?

Mich belastet das. Weil ich halt auch nicht der Typ Mensch bin, der das macht. Da plagen mich dann täglich Schuldgefühle.

Ich musste mir das mal von der Seele schreiben. Denn ich bin ratlos.

Vielleicht habt ihr einen Rat? Eine Idee was ich machen kann?

In diesem Sinne

Eure (verzweifelte) Ann

Bild von Dids auf pexels

5 Kommentare zu „Ich muss das mal loswerden

  1. Ich bin auch sprachlos darüber, wie sich dein Chef dir gegenüber und auch in seinem persönlichen Umgang mit Corona verhält.
    Aus meiner Sicht ist die Entscheidung eigentlich sehr klar und einfach. Diesem Chef bist du rein gar nichts schuldig. Dem neuen Chef und den neuen Kollegen gegenüber hingegen schon. Und überhaupt anderen Menschen gegenüber, auf die du treffen wirst. Du bist dafür verantwortlich, dass du nicht (oder zumindest nicht wissentlich) zum Verbreiten des Virus beiträgst. Deshalb solltest du, finde ich, tatsächlich zum Arzt gehen und dich krank schreiben lassen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen Dank für Deine Worte. ❤

      Ich bin froh, dass die ganze Sache nicht allein abstrus finde.

      Ich gucke mir das in der jetzt beginnenden Woche an und dann meine Entscheidung treffen und zu meiner Ärztin gehen.

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  2. Ich bin der Meinung, ein Chef hat eine Fürsorgepflicht seinen Arbeitnehmern gegenüber und die ist hier in keinster Weise gegeben.
    Er gefährdet alle die zu diesen Lunch Terminen geladen sind und je mehr Alkohol fliesst, umso unvorsichtiger wird jeder. Du musst an dich, deine Familie und deine zukünftigen Kollegen denken und darum geh zum Arzt und lass dich krank schreiben. Dort würde ich auch schildern, warum du eine Krankmeldung brauchst. Und bei deinem Rechtsanwalt würde ich mal fragen, ob m an so ein Vorgehen von deinem Chef nicht dem Gesundheitsamt melden muss.

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen Dank für Deine Worte. ❤

      Meine Ärztin ist schon über die Zustände informiert und hat mir eine problemlose Krankschreibung zugesagt, wenn ich nicht mehr kann.

      Ich werde mir das in der jetzt beginnenden Woche anschauen und dann meine Entscheidung treffen.

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