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15 Jahre – und jedes Jahr zu viel

Nun bist Du schon 15 Jahre nicht mehr auf dieser Welt und für mich fühlt es sich an, als ob es erst gestern gewesen wäre.

Du hast eine große Lücke hinterlassen, die man nicht schließen kann.

Seither hat sich so viel verändert und ich frage mich, ob es in Deinem Sinne gewesen wäre? Privat wie auch in der Welt.

Ich frage mich, ob Du stolz auf mich wärst, wenn Du meinen Weg bis heute hättest mit verfolgen können? Oder ob Du mich genauso verurteilen würdest, wie die Anderen? Oder hättest Du Verständnis?

Verständnis. Das hattest Du immer für mich.

Und in meiner schwersten Zeit, warst Du neben meiner Mutter die größte Stütze für mich. Du hast nie Fragen gestellt, Du warst einfach da.

Oft ziemlich unauffällig – vor allem seit dem Tag X. Ja, ich habe Dich am Fenster stehen sehen, wenn ich von der Schule nach Hause kam. Du konntest Dich gut tarnen, aber ich hab Dich trotzdem gesehen. Ich wusste, Du passt auf mich auf/guckst nach mir.

So wie damals, als ich von der Schule die erste Zeit alleine nach Hause laufen durfte – als die Welt für mich noch in Ordnung war. Du hast in der ersten Woche immer am Zebrastreifen gestanden und hast geguckt, dass ich sicher über die verkehrsreiche Straße drüber komme. Eine Woche später standest Du an der nächsten Straßenecke und eine weitere Woche später eine weitere Straßenecke weiter, bis Du nur noch am Hoftor stehen musstest. So hast Du mir meine Angst vor dem Heimweg genommen. Du wusstest, ich muss das lernen, aber so hast Du mir Sicherheit gegeben.

Heute fahre ich oft mit dem Auto über diesen Zebrastreifen – er ist immer noch da, Du aber nicht. Und immer wieder muss ich dabei daran denken, wie Du da standest. Du hast nur da gestanden und hast geguckt. Du hast nichts gesagt und mir auch kein Zeichen gegeben. Erst als ich bei Dir war, hast Du was gesagt.

Eine schöne Erinnerung und mit die Schönste, die ich an Dich habe. Zeigt sie mir am Besten welch toller Mensch Du warst.

Und heute, nun 15 Jahre später, sitze ich mit meinen 30 Jahren am Schreibtisch, schreibe diese Zeilen und kann es immer noch nicht fassen, dass Du nicht mehr da bist.

Der Tod gehört zum Leben, aber Du warst für mich immer unsterblich. Selbst nachdem ich wusste, dass jedes Leben endlich ist, bist Du für mich unsterblich geblieben – Kinder sind so. Wer sollte denn auf mich aufpassen, wenn ich wieder einmal über den Zebrastreifen laufen müsste?

Doch heute tröste ich mich damit, dass Du auf Deiner Wolke sitzt und von dort auf mich aufpasst.

Vor allem hoffe ich, lieber Opa, dass es Dir dort, wo Du jetzt bist, gut geht.

Ich vermisse Dich.

Deine Krebbel

 

 

5 Kommentare zu „15 Jahre – und jedes Jahr zu viel

  1. Aus deinen Zeilen lese ich heraus, dass du mit deinen 30 Jahren schon viel erlebt hast und nicht alles war gut und diese Zeit hat dich geprägt. Du schreibst nicht von deinem Vater und ich denke, dein Opa war wie ein Vater für dich den du viel zu früh verloren hast. So wie du ihn beschreibst wäre er stolz auf dich , denn das sind Opas immer auf ihre Enkel. Die Erinnerung kann dir keiner nehmen und er hat immer einen Platz im Herzen seiner Enkelin.

    LG Biene

    Gefällt 1 Person

    1. Ja leider hab ich das wirklich…Ich sage oft, dass ich mit meinen 30 Jahren mehr erlebt habe, als manch 80-jähriger…aber ich kräme mich nicht, es hat mich alles zu dem gemacht, was und wer ich heute bin…

      Indirekt war mein Opa wie ein Vater für mich, aber so habe ich das nie gesehen. Ich hatte einfach einen super Opa, das sagen mir die Leute bis heute.
      Um kurz auszuschwenken, mein Vater hat meine Mutter und mich verlassen, als ich 10 Jahre alt – danach sind einige unschöne Dinge passiert, die darin mündeten, dass ich seit 98 keinen Kontakt mehr zu ihm habe (um das mal nett auszudrücken).
      Um es noch komplizierter zu machen, ist mein Opa der Vater meines Vaters; umso höher schätze ich seine Fürsorge für mich…

      Vielen Dank für Deine lieben Worte, das tut einfach gut.

      LG zurück

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  2. Großväter sind naturbedingt auch nur Väter, allerdings „größer“ im Sinne von hoffentlich mehr Lebenserfahrung und Weisheit.

    Falls Vater noch lebt, dann ist auch Großvater auch für einen gewissen Anteil durch Vater selbst greifbar.

    Welche Fehler im Leben können so schwerwiegend gemacht worden sein, als dass wir das Gute in unseren Elternteilen nicht mehr sehen können?

    Selbst verurteilt zu werden will vermutlich kein Mensch, doch urteilen wir bereitwillig selbst über unsere Nächsten und wenden uns von ihnen ab.

    Solange du Orientierung und Frieden haben kannst, erinnere dich an Vater und seine Anteile daran. Manchmal ist es unklar und alles andere als offensichtlich was zwischen uns Menschen steht und uns Anlass gibt Abstand zu halten anstatt sich in die Arme zu nehmen und sich zu versöhnen.

    Unsere Eltern konnten wir uns nicht aussuchen, aber wir können uns unsere Eltern in die Verantwortung für ihr Handeln ziehen ohne uns abwenden zu müssen. Diese Menschen brauchen uns genauso wie wir sie brauchen ohne dabei zu vergessen, dass wir nur ihre Kinder sind und diese Rolle beibehalten müssen. Dennoch haben wir einen riesen Handlungsspielraum um positiv Einfluss auf sie nehmen zu können ohne sie aufgeben zu müssen.

    Gute Reise auf deinem Weg zu Vater!

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