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Ostern – Eine Spurensuche

Hallo meine Lieben,

am heutigen Ostersonntag feiern die christlichen Gläubigen die Auferstehung Jesu von den Toten. Ostern ist also das Fest der Auferstehung. Aber warum heißt dann dieses Fest, das 40 Tage nach Aschermittwoch stattfindet, nicht Auferstehungsfest oder resurrectionem (der lateinische Begriff für Auferstehung)? In dem Wort Ostern steckt doch in keiner Silbe das Wort Aufsterstehung drin, oder etwa doch?

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Da mich diese Frage schon einige Jahre beschäftigt und ich während meines Studiums das Fach historische Sprachwissenschaft bzw. Herkunft der Wörter um Weihnachten herum hatte, bin ich auch während des Studiums nicht schlauer geworden. Aber heute, dachte ich, ist ein guter Zeitpunkt, um auf Spurensuche zu gehen. Denn vielleicht habt auch ihr euch, meine lieben Leserinnen und Leser, schon einmal gefragt, warum wir das Fest der Auferstehung ausgerechnet Ostern nennen.

Freundliche Unterstützer meiner Rechersche waren das Herkunftswörterbuch des Duden, das lateinische Wörterbuch Stowasser sowie das allwissende Internet in Form von Wikipedia.

Vorab kann ich euch verraten, dass es verschiedene Lösungsansätze gibt, die teilweise bis ins Indogermanische, also die früheste Stufe der deutschen Sprache, reichen. Aber auch das Griechische und Lateinische spielen bei den Ansätzen eine Rolle.

In vielen Lösungsansätzen wird neben dem neuhochdeutschen Wort Ostern auch das englische Wort easter auf seine Etymologie untersucht. Das ist nachvollziebar, entstammen doch beide Sprachen in ihrem Ursprung dem Indogermanischen und besitzen die gleiche sprachliche Wurzel.

Das Herkunftswörterbuch des Duden führt das Wort Ostern auf das altgermanische austrō > ausro zurück, das übersetzt Mörgenröte heißt. Das Wort bezeichnet womöglich ein germanisches Frühlingsfest. Es bildet sich im Altenglischen zu Ēostre, Ēastre und im althochdeutschen zu ōst(a)ra, Plural ōstarun fort. Der Wortstamm dieser Wörter ist mit dem altgriechischen Namen der vergöttlichten Morgenröte Ēōs und dem lateinischen Begriff aurora (Morgenröte) verwandt, die wiederrum weitere Sprachen bis ins Indogermanische beeinflusst haben und sich ableiten lassen in Morgenröte oder hell werden.

Das Wort Ēostra taucht übrigens erstmals 738 bei einem Schriftstück des Benediktaners Beda Venerabilis auf. Man glaubr, dass Beda in seinem Werk De Temporum Ratione Volkstraditionen aufgriff, die im Rahmen frühjährlicher Vegetationsriten gepflegt wurden. So ist auch nicht verwunderlich, dass die Morgenröte im Christentum als Symbol der Auferstehung gilt, da man das leere Grab „sehr früh, als die Sonne aufging“, wie es im Markusevangelium heißt, entdeckt hat.

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Der irische Benediktaner und Schriftenverfasser Honorius Augustodunensis sieht in dem Begriff Ostern (engl. easter) einen Bezug zu der Himmelsrichtung Osten (engl. east), in welcher die Sonne aufgeht. Zu seinen Lebzeiten, ca. 12. Jahrhundert, ließen sich viele „neue“ Christen am Ostermorgen bei Sonnenaufgang, althochdeutsch zu den ostarun, taufen. Unterstützt wird diese These von dem Namenforscher Jürgen Udolph. Er zieht eine Verbindung zu ostarum aus der nordgermanischen Wortfamilie ausa für gießen und austr für begießen, was den österlichen Tauftermin unterstreicht.

Zusammenfassend kann man also von zwei Wegen ausgehen:

Weg 1: Über den Wortstamm und die Bedeutung des germanischen Wortes austrō > ausro, das Morgenröte bedeutet und sich im Zuge des Sprachwandels zu Ostern entwickelt hat.

Weg 2: Über die Himmelsrichtung Osten, in welcher die Sonne aufgeht und sich viele Christen bei Sonnenaufgang haben taufen lassen.

Für mich klingen beide Ansätze sinnvoll und nachvollziehbar. Und wenn man genauer hinschaut, dann ergänzen sich beide Ansätze in gewisser Weise. Spricht der eine Ansatz vom Wortstamm des germanischen Begriffs Morgenröte, geht der andere Ansatz von der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs aus. Beide Wege gehen also von dem Beginn der Tages aus – dem Sonnenaufgang. Von daher zwei sich eränzende und nachvollziehbare Ansätze.

Ich hoffe, ich konnte, trotz der eher wissenschaftlichen Herangehensweise, ein wenig Licht ins Dunkel bringen und vielleicht auch bei euch eine kleine Wissenslücke schließen.

Und natürlich interessiert mich auch, ob ihr die Lösungsansätze für plausibel haltet oder vielleicht ganz andere Ideen habt? Ich freue mich über eure Kommenatre.

In diesem Sinne noch einen schönen restlichen Ostersonntag.

Eure Ann

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4 Kommentare zu „Ostern – Eine Spurensuche

  1. Du kennst mich und weißt ja, dass ich ein wissbegieriger Mensch bin und mich ja so ziemlich alles ärgert, was ich nicht kenne und weiss. Ebenso ärgert mich, dass ich mir das garantiert nicht merken kann, was Du da recherchiert hast. Hängenbleiben wird wohl nur, dass das irgendwas mit Osten zu tun hat. 😉

    Aber ich bin mir dafür sicher zu wissen, warum es nicht Auferstehungsfest heißt: Weil es nirgendwo Auferstehungseier gibt! 😎

    (Jaja, ich renne ja schon weg…) :mrgreen:

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