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Und es gibt sie doch noch…

…die guten deutschen Serien. Nachdem mit Doctor’s Diary eine der meist geschautesten deutschen Serien 2011 leider viel zu früh ihr Ende fand, habe ich persönlich nur noch amerikanische Serien geschaut. Warum? Viele der produzierten deutschen Serien waren zwar gut gemeint, wie Doc meets Dorf (RTL, 2013), wirkten dann aber doch als schlechte Kopien von amerikanischen Originalen; in dem Fall von Hart of Dixie.

resizeimg.phpAber das sollte sich jetzt ändern. Derzeit sind einige deutsche Serien (in Eigenproduktion) geplant. Eine davon feierte am Montag auf VOX ihre „Premiere.“ Die Rede ist, wie links unschwer erkennbar, von Club der roten Bänder. Schon im Vorfeld wurde für die VOX-Eigenproduktion kräftig Werbung auf dem Sender gemacht! Und auch die Kritiken in den verschiedenen Feuilletons versprachen Gutes. Nun bin ich allerdings ein Mensch, der grundsätzlich Filme oder Serien ablehnt, über welche schon vor Ausstrahlung Lobeshymnen gesungen werden (zum Beispiel habe ich bis heute noch nicht Avatar geschaut). Doch hier war es irgendwie anders.

Am Montagabend war es dann soweit. Die Pilotfolge begann pünktlich um 20:15 Uhr und sollte den positiven Kritiken Recht geben. Doch bevor ich auf meine eigenen Eindrücke eingehe, möchte ich ganz kurz den Hintergrund der Serie schildern.

Hintergrund der Serie sind die wahren Erlebnisse von Albert Espinossa. In seinem Debutroman El mundo amarillo von 2008 beschreibt er seinen Kampf gegen den Krebs, welchen er als Jugendlicher selbst erlebt hat. Das Buch wurde zum Bestseller, weshalb Espinossa sich 2011 entschied, aus seinen Erlebnissen ein Drehbuch zu schreiben und dieses als Serie auf die Fernsehbildschirme zu bringen. Mit Polsores Vermelles war das spanische Original des Clubs der roten Bänder geboren. Insgesamt wurde Polsores Vermelles in insgesamt 18 Ländern adaptiert. Besonders erfolgreich läuft die Serie seit 2014 in Italien (Braccialetti Rossi), wo bereits eine dritte und vierte Staffel geplant sind. Auch in Lateinamerika ist Pulseras Rojas (wie sie dort heißt) von Mexiko bis Chile ein großer Erfolg.
Club der roten Bänder ist eine Krankenhausserie, in der das Schicksal von 6 Patienten geschildert wird. Das Besondere: Hier werden die Geschichten aus Sicht der Patienten erzählt  nicht wie sonst aus Sicht der Ärzte. In der ersten Folge findet sich die Clique bzw. der Club zusammen. Sie besteht aus Leo, Jonas, Emma, Alex, Toni und Hugo. Sechs Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17, deren Schicksale, Krankheiten und Chraktere nicht unterschiedlicher sein könnten. Leo, der bereits seit 9 Monaten in der Klinik ist, hat Krebs und bereits ein Bein verloren. Seine größte Angst ist die Rückkehr des Krebses. Jonas, ebenfalls ein Krebspatient, ist ganz neu im Krankenhaus und wird Leos Zimmergenosse. Ihm soll am nächsten Tag ein Bein abgenommen werden. Emma leidet unter Magersucht und wehrt sich mit allen Mitteln zu essen. Alex wird mit einem Herzproblem eingeliefert und Toni mit zwei gebrochenen Beinen. Hugo, der Jüngste des Clubs, liegt seit zwei Jahren im Koma und erzählt die Geschichte rund um die Gründung und Abenteuer des Clubs.
Leo erfährt, dass jede Clique aus 6 Charakteren besteht: Der Anführer, der zweite Anführer, das Mädchen, der Hübsche, der Schlaue und der Gute Geist. Wer wer/was ist, das verrate ich an dieser Stelle jetzt einfach mal nicht. Schaut euch das Bild an und ratet selbst (übrigens wurde das Bild direkt nach der Gründung des Clubs aufgenmmen):

Club der roten Bänder

Wie ihr schon zu Beginn des Eintrags feststellen konntet, hat mir die Serie gefallen. Was heißt gefallen? Ich finde sie richtig richtig gut! Mit den Schicksalen der Jugendlichen wird offen umgegangen. Nicht zuletzt, weil die Patienten selbst offen mit ihren Krankheiten umgehen. Das Schöne daran, die Schilderung kommt ohne viel Jammerei und Wehklagen aus, sondern arbeitet mit Witz und Charme ohne dabei die Ernsthaftigkeit zu verlieren. Da gibt es zum Beispiel die Szene, als Jonas in sein neues Zimmer kommt und somit zu Zimmergenosse Leo. Als Jonas gefragt wird, warum er im Krankenhaus sei, antwortet er trocken: „Mir wird das Bein amputiert!“ Betretenes Schweigen im Raum, woraufhin Jonas weiterredet: „Ja ich weiß, kann man nix zu sagen!“ Daraufhin entgegenet Leo: „Warte erstmal ab, wie krass die Leute schweigen, wenn sie dein halbes Bein sehen!“ Sagt er, zieht die Bettdecke zurück und zeigt sein bereits amputiertes Bein. Kommentar seiner Schwester (die ebenfalls im Raum ist): „Gewöhn‘ Dich an so Showeinlagen. Leo ist ein kleiner Aufmerksamkeitsjunkie.“

Und genau diese Szenen machen meiner Meinung nach den Charme der Serie aus.

Es ist eine Serie, die nicht vergleichbar ist mit anderen. Weil es eben diese Art von Serie noch nicht gab. Und vielleicht ist es genau das, was die Serie ausmacht. Oder wie die Süddeutsche Zeitung so schön schreibt: „Man kann in Abgründe schauen, aber man wird auch sanft abgefedert. Alles in dieser Klinik atmet trotz der Schwere des Themas eine gewisse Leichtigkeit.“ Und vielleicht ist eben diese Leichtigkeit, die es einem leicht macht, die Schicksale der Patieten zu sehen, mit ihnen zu leiden, aber eben auch mit ihnen zu lachen. Eben weil sie es auch tun!

Ich kann und möchte euch diese Serie einfach empfehlen. Sie ist bestimmt nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Ich glaube, dass ich im Laufe der ersten Staffel noch einige Tränen vergiesen werde, aber bestimmt nicht nur aus Traurigkeit, sondern auch vor Lachen. Es sind diese Gegensätze, von Schicksalsschlägen und Hoffnungen, die diese Serie am Ende zu etwas ganz Besonderem machen. Ich werde nächste Woche wieder einschalten und ihr vielleicht auch.

In diesem Sinne

Eure Ann

P.S. Für die Bildquellen, einfach auf das Bild klicken

8 Kommentare zu „Und es gibt sie doch noch…

  1. Ich hab den Trailer lustigerweise im Kino gesehen, als wir „Crimson Peak“ gucken waren. Hat mir auch direkt gut gefallen, und wenn ich alle meine anderen aktuellen Serien endlich mal aufgeholt habe, dann pack ich das auch an.

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